Südtiroler Mobilitätspreis 2017

Die Mobilitätsstrategie der Gemeinde Mals (gewinner)

Verkehr vermeiden – Verkehr verlagern – Verkehr verträglicher machen. Diesen Dreiklang hat sich die Gemeinde Mals in ihrer Mobilitätsstrategie auf die Fahne geschrieben – und erfüllt die selbstgesteckte Zielsetzung mit zahlreichen vorbildlichen Maßnahmen – und damit den Südtiroler Mobilitätspreis 2017 gewonnen. 

Viele Gemeinden kennen diese Probleme: Die Siedlungsentwicklung am Ortsrand führt zu immer mehr Verkehr, weil die Menschen plötzlich ein Auto brauchen, um im Dorf einzukaufen. Kinder werden mit dem Auto in die Schule gefahren und das soziale Leben im Dorf leidet, weil die Bewohner aneinander vorbeifahren oder vom Autoverkehr an den Rand der Straße verdrängt werden. Auch Mals kannte diese Probleme und hat sich darangemacht, diese konsequent zu lösen. Beispielsweise kauft die Gemeinde nicht genutzte Bausubstanz in den Ortszentren, um sie in neue Wohnhäuser umzuwandeln, statt neue Wohnbauzonen auf der grünen Wiese zu entwickeln.

Die Straße zur Schule wurde für den Verkehr gesperrt und Straßenübergange durch Schülerlotsen gesichert. Außerdem wurde das Gemeindezentrum in eine Fußgängerzone umgewandelt und der öffentliche Raum den Gastbetrieben zur Verfügung gestellt. „Wenn man angenehme Aufenthaltsbereiche schafft, dann gehen die Menschen auch wieder zu Fuß“, erklärt Bürgermeister Ulrich Veith den Erfolg der Fußgängerzone. Aber nicht nur im Ortszentrum wurde der Fußverkehr gefördert: Die Wiederinbetriebnahme von alten Waalwegen und die Schaffung neuer Wegverbindungen machen Spaziergänge im Dorf sowohl für Einheimische als auch für Gäste attraktiver. Auch Bus und Fahrrad sind in Mals gut genutzte Alternativen: Die neun Fraktionen werden mit drei Citybussen anfahren, sodass die großen Fraktionen Burgeis, Schleis, Laatsch, Matsch und Tartsch im Stundentakt an Mals angebunden sind. Die Fraktionen Schlinig und Planeil werden sieben Mal täglich angefahren.

Nicht zuletzt wurden die Radwege zwischen den einzelnen Fraktionen ausgebaut und 10 E-Fahrräder angekauft. Diese können von der Bevölkerung kostenlos ausprobiert werden. Einige Dorfbewohner waren von den E-Bikes so begeistert, dass sie mittlerweile selbst eines gekauft haben. Um den Individualverkehr einzubremsen, wurden laut Bürgermeister Veith in den letzten Jahren „mehr Straßen zurückgebaut, als gebaut wurden“. Natürliche Engstellen werden bewusst nicht beseitigt, da weniger Tempo automatisch mehr Verkehrssicherheit bedeutet.

Natürlich ist auch in Mals das Auto oftmals unverzichtbar – man muss aber nicht gleich selbst eines besitzen und für teures Geld unterhalten. Mals ist nämlich eine Pioniergemeinde, was das Carsharing in Südtirol betrifft: Mals war die erste Gemeinde, die für Carsharing Elektrofahrzeuge angekauft hat. Die Gemeinde selbst geht beim Carsharing mit gutem Beispiel voran und hat mittlerweile das Gemeindefahrzeug verkauft, ebenso wie manche Familie ihr Zweitauto.

Gratis aufladen kann man die Elektrofahrzeuge nicht mehr nur an den zwei Wallboxen in der Gemeinde-Tiefgarage, sondern auch an einer der ersten Schnell-Ladesäulen Südtirols. Die Ladesäule wurde bewusst im Ortszentrum errichtet: Während das Auto Strom lädt, kann die Wartezeit bequem in der Fußgängerzone für eventuelle Erledigungen oder für einen gemütlichen Kaffee genutzt werden.

All diese Maßnahmen haben zu mehr Lebensqualität in der Gemeinde Mals geführt – und zum Gewinn des Südtiroler Mobilitätspreises 2017. 

Energiegenossenschaft Mauls (nominiert)

„Der Natur etwas zurückgeben“ – das war die Motivation der Maulser Energiegenossenschaft, ein Elektroauto und neun E-Bikes für ihre Mitglieder bereitzustellen. Damit wurden sie für den Südtiroler Mobilitätspreis 2017 nominiert.

Die Energiegenossenschaft Mauls hat Ende August 2017 das E-Auto – einen Renault Zoe – eingeweiht, das künftig den Mitgliedern zur Nutzung zur Verfügung steht. In Kooperation mit einem Hotel vor Ort werden den Mitgliedern außerdem neun E-Bikes zum Verleih angeboten. Die Energiegenossenschaft Mauls zählt nahezu alle Haushalte des Gemeindegebietes als Mitglied, dadurch können unterschiedliche Zielgruppen – vom Grundschulkind bis zum Senior – die emissionsfreie Elektromobilität erleben. Besonders für Führerschein-Neulinge oder als Zweitautoersatz für Familien ist das Leihauto interessant. Sowohl das Elektro-Auto als auch die E-Bikes können den Genossenschaftsmitgliedern zu äußerst günstigen Tarifen zur Verfügung gestellt werden. Möglich ist dies, weil das Wasserkraftwerk jährlich Gewinne abwirft, von denen die Mitglieder nun profitieren können. Der gesamte Strom, der für das Fahrzeug benötigt wird, kommt vom Wasserkraftwerk der Energiegenossenschaft, sodass der „Treibstoff“ lokal und emissionsfrei erzeugt wird.

Durch die Kooperation mit Carsharing Trentino ist es möglich, dass auch Nicht-Mitglieder das Auto ausleihen können, dann gelten jedoch die üblichen Carsharing-Tarife.

Durch die gute Kooperation zwischen Energiegenossenschaft und Gemeinde konnte rasch ein geeigneter Parkplatz gefunden werden. 

Südtirol Rad – ganz Südtirol mit dem Leihrad (nominiert)

Südtirol Rad wendet sich an all jene, die entweder kein eigenes Rad haben oder das Fahrrad nicht mit in den Urlaub nehmen möchten, sowie an alle Einheimischen, die die eigene Heimat mit dem Rad erkunden möchten. Das vorbildliche Angebot wurde für den Südtiroler Mobilitätspreis 2017 nominiert.

20 Verleih-Stationen befinden sich entlang der Südtiroler Radwege und bieten zwischen Reschen und Vierschach sowie zwischen Brenner und Kaltern insgesamt 5.800 Bikes, darunter Trekking-Räder, Mountainbikes, Rennräder, Bikes für Kinder und E-Bikes. Anhänger für Kinder, Hunde oder Gepäck, Fahrradhelme, Seitentaschen und Kindersitze können ebenfalls ausgeliehen werden.

Jedes Leihfahrrad kann an jeder beliebigen Station von Südtirol Rad wieder zurückgegeben werden, sodass man die Radtour auch so planen kann, dass es fast nur bergab geht. Im Schnitt befindet sich alle 25 km eine Fahrradverleih-Station, direkt an den Bahnhöfen oder an wichtigen Verkehrsknotenpunkten, damit eine umweltfreundliche An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos möglich ist. So braucht man dieselbe Strecke nicht zwei Mal fahren und kann ganz spontan entscheiden, wie viele Kilometer man radeln möchte. Das passende Ticketangebot gibt es auch: Mit der Bikemobil Card können alle öffentlichen Verkehrsmittel in Südtirol 1, 3 oder 7 Tage lang genutzt und zusätzlich an einem Tag ein Fahrrad ausgeliehen werden. 

Nachhaltige Mobilität auf dem Bierdeckel (Preis der Jury)

In 20 Gastbetrieben der Gemeinde Klausen liegen Bierdeckel mit Aussagen zu Sicherheit, Gesundheit und Umweltverschmutzungen im Verkehr auf. Durch witzige und ansprechende Sprüche in Verbindung mit Illustrationen, die einen Bezug zu Klausen haben, werden Bürger zum Nachdenken angeregt und auf die aktuelle Verkehrssituation hingewiesen.

Mit der Bierdeckel-Aktion, die in der Europäischen Mobilitätswoche 2017 präsentiert wurde, möchte die Wirtschaftsgenossenschaft Klausen auf das Thema Verkehr und Mobilität hinweisen, ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Sympathische und ansprechende Illustrationen in Verbindung mit einfachen und klaren Aussagen sollen zum Nachdenken anregen. Die Bierdeckel liegen in rund 20 Gastronomiebetrieben in der Gemeinde Klausen auf und werden als Unterlage für Getränke aller Art verwendet.

Durch die Aktion werden die sozialen und ökologischen Vorteile aufzeigt, Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen und auf das Auto zu verzichten. Weitere Motive sind bereits in Planung.

Die Kampagne spricht sowohl die Bürgerinnen und Bürger jeden Alters als auch Gäste und Tagesbesucher an. Die Bierdeckel können immer wiederverwendet werden und haben somit einen langfristigen und nachhaltigen Effekt. 

23.11.2017 − Südtiroler Mobilitätspreis