Umfrage „Zukunft Mobilität“

Im Monat Mai wurde die vom Land Südtirol in Auftrag gegebene landesweite Bevölkerungsumfrage zum Thema „Zukunft Mobilität“ durchgeführt.
Der Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider hat die Ergebnisse gemeinsam mit Joachim Dejaco, Generaldirektor der STA - Südtiroler Transportstrukturen AG und Markus Dörflinger von der Firma apollis, Institut für Sozialforschung und Demoskopie vorgestellt.

Vom 30.04. bis 31.05. waren alle Südtirolerinnen und Südtiroler dazu eingeladen, an der Online-Umfrage „Zukunft Mobilität“ teilzunehmen. Ziel war es, mehr über die Auswirkungen des Coronavirus auf das Mobilitätsverhalten der Südtiroler bzw. ihre Mobilitätsgewohnheiten herauszufinden. Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider betont: “Die Umfrage ist mit dem Ziel gestartet, an einer besseren Mobilität arbeiten zu können. Bei der Frage, in welche Richtung sich Südtirols Mobilität künftig entwickeln soll, ist das Wissen um die aktuellen Mobilitätsgewohnheiten der Bevölkerung in Südtirol von zentraler Bedeutung.“

Die Umfrage im Detail

Die Online-Umfrage wurde vom Bereich Green Mobility in der STA - Südtiroler Transportstrukturen AG eingeleitet, gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Helios durchgeführt und in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut apollis ausgewertet. Nach einer Überprüfung auf Doppelungen und nicht vollständig ausgefüllte Fragebögen ergibt sich eine Teilnehmerzahl von 11.365 Personen. Diese haben auf 28 allgemeine und 45 Detailfragen geantwortet. Auch 2.555 freie Anregungen (ausgenommen jene wie „Nein“, „Keine“ oder „Danke“) wurden in die Auswertung miteinbezogen.

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“Die Auswertung zeigt, dass sich das Verkehrsverhalten der Bevölkerung aufgrund der Corona-Pandemie ändern wird: 42 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie künftig häufiger das Fahrrad nutzen und 41 Prozent öfters zu Fuß gehen möchten. Gleichzeitig ist aber auch ein signifikanter Zuwachs des individuellen, motorisierten Verkehrs - im Gegensatz zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel (-36 Prozent) – zu erwarten. Abgesehen davon sind alternative Arbeitsformen wie Homeoffice und flexible Arbeitszeiten für 44 Prozent der Befragten entscheidend für ihr individuelles Mobilitätsverhalten (+25 Prozent bzw. +19 Prozent)", so Joachim Dejaco.
Dementsprechend haben die Umfrageteilnehmer angegeben, dass Maßnahmen wie der Ausbau der Fußgängerwege sowie barrierefreie Zufahrten sowie der Ausbau des Radwegenetzes (87%) und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (85%) als wichtig bzw. sehr wichtig empfunden werden und umgesetzt werden sollten. Darauf folgen gewünschte Maßnahmen wie die Errichtung von Radschnellwegen (78 Prozent) und Homeoffice (75 Prozent).

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Großes Potenzial für E-Bikes und die Radmobilität

„Es ist interessant zu sehen, dass der Großteil der Fahrradfahrer/innen, die das Fahrrad vor allem im Alltag nutzen, öfter in den Städten als auf dem Land, zu finden sind. Personen, die das Fahrrad nur in der Freizeit oder aber gar nicht nutzen, wohnen hingegen häufiger auf dem Land als in den Städten.“, berichtet Markus Dörflinger von der Forschungseinrichtung apollis. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (55 Prozent) absolvieren weniger als 10 Kilometer für ihren täglichen Weg vom Wohn- zum Arbeitsort. Diese Distanz eignet sich sehr gut für die Nutzung des Fahrrades. Rund 53 Prozent der Umfrageteilnehmer wären aus diesem Grund auch bereit, diese Distanz mit einem E-Bike zu bestreiten, wenn sie eines besitzen würden. Daraus lässt sich ein großes Interesse und Potential dieses Fortbewegungsmittels in Südtirol ausmachen.

Die Hauptgründe für die Nutzung des Fahrrades liegen in Südtirol in folgenden Bereichen: Gesundheit (58 Prozent), Umweltschutz (50 Prozent), Spaßfaktor (44 Prozent) und flexibler Einsatz des Rades (42 Prozent). In dieser Auflistung folgen die geringeren Kosten (32 Prozent) und die Zeitersparnis (28 Prozent).

Was den Südtirolern wichtig ist

Ein wichtiger Teil der Umfrage bezieht sich auf die Vorschläge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie sich Südtirols Mobilität weiterentwickeln sollte. Im Rahmen einer offenen Frage haben 27 Prozent die Radinfrastruktur genannt, 17 Prozent das Beitragswesen für die Radmobilität (auch die E-Radmobilität), 16 Prozent die Verkehrssicherheit für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer und 15 Prozent wünschen sich eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. Auch die Absicherung gegen Fahrraddiebstahl und der Ausbau sicherer Fahrradabstellplätze (9 Prozent), die Verringerung des motorisierten Verkehrs (7 Prozent) sowie die Optimierung der Kombination unterschiedlicher Verkehrsträger (sprich der Intermodalität) und der Arbeitssicherheit (4 Prozent) sind Themen, die die Bürgerinnen und Bürger angesprochen haben.

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„Die Umfrage hilft uns dabei, die Erwartungen und die Verhaltensweisen der Bevölkerung im Hinblick auf die Mobilität besser zu verstehen. Wir arbeiten bereits daran, die angesprochenen Themen weiter zu verbessern. Dieses Engagement wird auch in Zukunft beibehalten und verstärkt werden. Zu den anstehenden Vorhaben zählen unter anderem die Digitalisierung (Webseite www.suedtirolmobil.info, entsprechende App und neues Ticketingsystem), die Optimierung und Modernisierung der Fahrgastinformation, die Erneuerung der Bus- und Zugflotte oder der neue Landesmobilitätsplan. Wir arbeiten ständig und stetig an der Verbesserung unseres öffentlichen Nahverkehrs in Südtirol“, betont Mobilitätslandesrat Alfreider.

Was die Radmobilität angehe, informiert Alfreider zudem über anstehende Initiativen: „In Bruneck, Brixen und Bozen Süd laufen Pilotprojekte an, wir arbeiten zudem gerade an Leitlinien für die Radinfrastrukturen. Abgesehen davon befinden wir uns momentan in der Projektierungsphase für ein Vormerksystem der „Radlboxen“ mittels dem Südtirol Pass und neuer Richtlinien für sichere Radabstellplätze. In den Mobilitätszentren Bruneck und Brixen sollen außerdem neue Fahrradabstellplätze im Bahnhofsbereich entstehen. Weiters wird gerade an einem einheitlichen System des Bikesharings für ganz Südtirol gearbeitet.“

Weitere Informationen zur Umfrage sind hier abrufbar. Die Umfrage kann zudem bei Green Mobility Südtirol unter greenmobility@sta.bz.it angefragt werden.

30.07.2020 −