Touristische Mobilität im UNESCO Welterbe Dolomiten

Mobilitätsmanagement ÖPNV

Die Mobilität im UNESCO-Welterbe Dolomiten nachhaltiger zu machen ist eine komplexe Herausforderung. Die EURAC ist gerade dabei, die Komplexität des Phänomens zu analysieren, um mögliche Lösungen anbieten zu können.

Etwa fünf Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Südtirol, 89 % davon mit dem Auto. Nur 5 % der Gäste nutzen für die Anreise Bus oder Bahn. Vor Ort sieht die Lage etwas besser aus: Hier legen die Gäste immerhin 21 % der Wege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück und nur mehr 56 % mit dem Auto. Die Urlauber sind also durchaus bereit, ihr Auto stehen zu lassen, wenn es komfortable Alternativen mit günstigen Angeboten gibt. Eine Studie der EURAC für die Stiftung Dolomiti UNESCO zeigt, dass dort, wo das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs besonders gut ist – in den Dolomiten also vor allem in den Gebieten Puez-Geisler und Schlern-Rosengarten-Latemar – der öffentliche Nahverkehr auch häufiger genutzt wird. Eine Befragung der Gäste in Südtirol ergab, dass 93 % der Bahn- und 88 % der Busnutzer mit dem öffentlichen Verkehrsangebot zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind.

Reicht es, die Gäste mit günstigen Tickets und dichten Taktfahrplänen in öffentliche Verkehrsmittel zu locken oder braucht es neben diesem Zuckerbrot auch eine Peitsche, also Mautgebühren oder Fahrverbote für Pkw? Diese Fragen stellen sich die Verantwortlichen in den Dolomiten. Der Verkehrslärm auf den Passstraßen, die unschönen Großparkplätze, die Luftverschmutzung in der sensiblen alpinen Natur – mit welchen Mitteln kann man diese Probleme erfolgreich lösen, ohne die Tourismusbetriebe in der Region wirtschaftlich zu schädigen?

Die EURAC hat sich in drei Studien zum UNESCO-Welterbe Dolomiten mit solchen Fragen beschäftigt. Dafür wurden unter anderem die Tourismusströme innerhalb der Dolomiten gemessen, Verkehr, Lärm und Luftverschmutzung an verschiedenen Dolomitenpässen analysiert, Erwartungen und Bedürfnisse der Anbieter im Tourismussektor erhoben sowie das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs genauer analysiert und seine Bedeutung für den Umweltschutz herausgearbeitet. In den einzelnen Teilregionen der Dolomiten werden nun mit den lokalen Akteuren Möglichkeiten besprochen, wie die negativen Auswirkungen des fahrenden und ruhenden Straßenverkehrs reduziert, das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs weiter verbessert und das Angebot für den Fuß- und Radverkehr ausgebaut und harmonisiert werden können. Ein erstes Ergebnis sind die Aktionen zu #DOLOMITESVIVES mit einer Sperrung des Sellajochs für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor an einzelnen Tagen und einem gleichzeitig deutlich verbesserten ÖPNV-Angeboten sowie einem vielfältigen Kultur- und Kulinarik-Programm. Dabei wird versucht, sämtliche Akteure mit ihren Wünschen und Ideen mit einzubeziehen. 

Der entscheidende Akteur bleibt dabei natürlich der autofahrende Gast selbst: Er muss sich dafür entscheiden, Staus und Unfallrisiken zu vermeiden, zu entschleunigen und seinen CO2-Ausstoß zu reduzieren – und dafür den Nachteil in Kauf nehmen, von Busfahrplänen abhängig und somit weniger flexibel zu sein. Die Aufgabe der Akteure in den Dolomiten ist es, dem Gast diese Entscheidung möglichst einfach zu machen: mit einem guten Alternativangebot zur Autonutzung, sowohl bei der An- und Abreise als auch für die Mobilität vor Ort. Damit auch weiterhin jedes Jahr fünf Millionen Touristen nach Südtirol kommen – aber nicht mehr 89 % von ihnen mit dem Auto.

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