Mobilitätsforschung made in Südtirol

Mobilität und Nachhaltigkeit

Mehrere Forschungsinstitute und wissenschaftliche Zentren machen Südtirol zu einem lebendigen und aktiven Zentrum für Mobilitätsforschung. Ein Überblick.

Südtirol ist Knotenpunkt zahlreicher Forschungsinstitute und wissenschaftlicher Einrichtungen, die auch im Bereich der Mobilität aktiv sind. Dabei stehen die Entwicklung technischer Lösungen, wissenschaftliche Forschung, Mobilitätsmanagement für Gemeinden und Institutionen sowie zahlreiche Projekte im Bildungssektor im Mittelpunkt. Im folgenden Abschnitt können Sie sich einen Überblick über die wichtigsten Institute und deren Projekte verschaffen.

EURAC

Die Europäische Akademie (Eurac) mit Sitz in Bozen befasst sich in den Instituten für Regionalentwicklung und Standortmanagement, für Erneuerbare Energie und für Alpine Umwelt aktiv mit der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätsformen in Südtirol. Zahlreiche akademische Publikationen zum Thema Verkehr und Mobilität werden von einer Reihe an regionalen, überregionalen und internationalen Projekten ergänzt.

Als das Dolomitengebirge 2009 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen wurde, wurde die EURAC mit der Erstellung eines Konzepts für das Tourismusmanagement aller Regionen beauftragt, in welche die Dolomiten reichen. Im Rahmen dieses Projekts zu Tourismusnachfrage und Management der zentralen Zugänge zum UNESCO Weltnaturerbe Dolomiten richtet die EURAC ihr zentrales Augenmerk auf die Dolomitenpässe – und damit auch auf den Aspekt des Verkehrs auf den Pässen. Konkrete Ergebnisse davon sind die statistische Erfassung provinzübergreifender Daten zum Verkehr und die Entwicklung von Lösungen zur Entlastung der Dolomitenpässe. Geplant sind der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und deren Anbindung an das existierende Verkehrsnetz, intermodale Mobilitätslösungen, die Promotion nachhaltiger autofreier Ausflugslösungen in den Hotels und Informationszentren für nachhaltigen Tourismus in den Dolomiten sowie Zugangsbeschränkungen für den Individualverkehr in besonders gefährdeten Zonen.

INTER-Regio-Rail ist ein EU-Projekt zur besseren Kooperation im grenzüberschreitenden Bahnverkehr. Basierend auf regionalen Projekten haben die Bahnautoritäten Best Practices und Erfahrungen ausgetauscht und an die politischen Entscheidungsträger weitergeleitet. Dadurch wurde ein Netzwerk zwischen den jeweiligen regionalen Bahnsystemen in Zentraleuropa aufgebaut, um die Nutzung und Qualität des umweltfreundlichen Schienenverkehrs zu fördern.

Das Projekt AlpInfoNet zur Ausarbeitung eines nachhaltigen Mobilitätsinformationsnetzwerks für den Alpenraum entsteht auf Basis einer Kooperation zwischen Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich und Slowenien. Ziel ist es, über die Grenzen hinweg zugängliche und einfache Informationen über umweltfreundliche Mobilitätslösungen im Alpengebiet bereitzustellen. Damit soll vor allem die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erhöht und die negativen Einflüsse des Verkehrs auf die Alpenregionen reduziert werden.

Access2Mountain strebt die Erschließung empfindlicher Regionen in den Alpen und in den Karpaten durch nachhaltige Mobilität und sanften Tourismus an. Im Rahmen einer Kooperation zwischen den Alpenregionen und den Karpaten sollen neben dem sanften Tourismus auch der Bahnverkehr und multimodale Transportkombination ausgeweitet werden.

IDM

IDM beschäftigt sich mit Innovationen und Technologien in den Bereichen Lebensmittel, Energie und Umwelt, Wohlbefinden, alpine Technologien sowie Freie Software und Offene Technologien. Im Zuge dessen wird auch an verschiedenen Projekten zur alpinen Mobilität gearbeitet.

Das Cluster sports & winterTECH widmet sich Outdoor-Aktivitäten, Wintersport sowie Wintertechnologien in Südtirol und beschäftigt sich im Rahmen dessen auch mit Elektromobilität im alpinen Raum. Zu seinen Aktivitäten zählen die Förderung von elektrischen und emissionsarmen Fahrzeugen und die Entwicklung von Ladesäulen und zahlreichen weiteren Produkten für elektrische Fahrzeuge.

Das Zentrum für Freie Software & Offene Technologien in der IDM koordiniert jene Forschungs- und Entwicklungsprojekte, in denen die Innovation durch den Einsatz von IKT (Informations- und Kommunkationstechnologien) erreicht wird. Ein Interessensfeld ist die Mobilität und hier insbesondere der Bereich Intelligente Transportsysteme (ITS). In diesem Bereich hat das Zentrum in den vergangenen Jahren viele Projekte initiiert und durchgeführt.

Bolzano Traffic ist ein Projekt zum Verkehrs- und Mobilitätsmanagement in der Stadt Bozen. Es liefert Verkehrsnutzern Echtzeit-Informationen und Verkehrsprognosen, dank denen die Haupt-Verkehrsknotenpunkte der Landeshauptstadt mit den Anschlusswegen in ländliche Gebiete sowie in die Nachbarregionen verbessert werden sollen.

Auch im Rahmen des Projekts Integreen wird ein Modell für die Verkehrsverwaltung entwickelt. Ziel ist es, der Stadtverwaltung einen Überblick über den aktuellen Stand des Stadtverkehrs und dessen Umweltbelastungen zu verschaffen und dadurch eine verbesserte Verkehrspolitik einzuleiten. Dabei werden dynamische, von intelligenten Sondenfahrzeugen erhobene Informationen mit bereits vorhandenen Daten aus Messstationen verbunden. Die dabei geschaffene Datenplattform zeigt auf, wie sich aktuelle oder neu eingeführte Verkehrsmaßnahmen auf Umwelt und Luftqualität auswirken. Ziel ist ein Pilotprojekt für die Stadtverwaltung, um durch smartes Verkehrsmanagement auf der Basis aktueller Werte die Verkehrsflüsse zu regeln und dadurch Schadstoff- und Treibhausgasemissionen zu verringern. Abgerundet wird das Projekt mit einer Sensibilisierungskampagne zum Thema umweltschonendes Fahr- und Verkehrsverhalten.

Green Mobility of the Future ist ein weiteres EFRE-Projekt, das sich mit den Potenzialen der Weiterentwicklung der nachhaltigen Mobilität durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) beschäftigt. Das Projekt will Lösungen für die kombinierte Mobilität, insbesondere Car Sharing, Car Pooling (oder Ride Sharing) sowie Bike Sharing fördern. Neben einer Auswertung der notwendigen Technologien für die Umsetzung dieser Mobilitätskonzepte und der potentiellen neuen Geschäftsmodelle strebt das Projekt auch empirische Versuche mit den neuen Diensten an, anhand derer jene Szenarien ermittelt werden sollen, die den Bedürfnissen der Südtiroler Mobilität am besten gerecht werden.

Die Clean Road Initiative widmet sich der optimierten Verwendung von Streusalz in den Wintermonaten. Streusalz auf den Straßen kann zu erheblichen Schäden für Fahrzeuge, Straßen und Umwelt führen. Deshalb ist es wichtig, Streusalz effektiv und sinnvoll einzusetzen. Zugleich werden Alternativen entwickelt, mit deren Hilfe die Straßen bei Schnee und Eis sicherer gemacht werden sollen.

Ökoinstitut Südtirol/Alto Adige

Das Ökoinstitut setzt sich für die Förderung nachhaltiger Entwicklung ein und beteiligt sich aktiv an der Planung, Beratung und Projektumsetzung in den Bereichen Mobilität, Klima & Energie, Umweltbildung, Green Events sowie Gesellschaft.

Das Institut befasst sich mit zahlreichen Initiativen zur Förderung der Radmobilität in Südtirol und insbesondere der Stadt Bozen. So hat es seit 2000 mit dem „Plan zur Radmobilität in Bozen“ das Bozner Fahrradnetz ausgebaut, Stellplätze erweitert und den Fahrradverleih verbessert. Im Rahmen des von der EU finanzierten Projekts „eMotion – Emotionen für eine nachhaltige urbane Mobilität“ wurden in Kooperation mit der Agentur Helios Informationskampagnen und Sensibilisierungsmaßnahmen zur Förderung des öffentlichen Verkehrs und der Fahrradmobilität in Bozen durchgeführt. Für die Stadt Bozen setzte das Institut zudem eine Reihe weiterer EU-Projekte zum Thema Radmobilität um.

Im Rahmen des Projektes Green Mobility wird seit 2014 gemeinsam mit der BLS (seit 2016 mit der STA) der südtirolweite Fahrradwettbewerb „Südtirol radelt“ ausgetragen. Verbände, Gemeinden und Unternehmen können daran teilnehmen und so ihre Mitglieder, BürgerInnen und MitarbeiterInnen zum Radfahren motivieren. Alle registrierten TeilnehmerInnen können Preise gewinnen, wenn sie mindestens 100 Kilometer auf dem Fahrrad zurücklegen.

Um das über die Jahre hin angesammelte Know-How zu vertiefen und auszutauschen, nimmt das Ökoinstitut mit der Stadt Bozen am EU-Projekt CHAMP teil, das den Austausch von gelungenen Projekten und Erfahrungen zum Thema Radmobilität zwischen europäischen Städten zum Gegenstand hat.

Neben der Förderung der Radmobilität beschäftigt sich das Ökoinstitut generell mit umweltfreundlichen Mobilitätsformen. In diesen Tätigkeitsbereich fällt auch die Aktion „Autofreier Tag“, die alljährlich während der Europäischen Mobilitätswoche stattfindet.

Fraunhofer Italia

Die in Bozen angesiedelte Tochtergesellschaft der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. setzt sich ebenfalls mit nachhaltiger alpiner Mobilität auseinander. Zum Beispiel mit der Roadmap „Smart Alpine Mobility“ zu nachhaltigen Mobilitätsstrategien in den Alpen oder dem Projekt Akku4Future. Diese interregionale Initiative ist der Entwicklung von Kapazität und Lebensdauer von Lithium-Akkus gewidmet. Damit wird zu Lösungen eines der größten Probleme der Elektromobilität beigetragen: der begrenzten Reichweite der E-Fahrzeuge.

Das Wasserstoffzentrum H2 Südtirol-Alto Adige

Das Wasserstoffzentrum in Bozen Süd – das einzige in Italien – verfolgt das Ziel, saubere Wasserstoffenergie als Alternative zu fossilen Treibstoffen herzustellen. Neben der Forschung zur Optimierung der Wasserstofferzeugung ist in Bozen eine Anlage zur Produktion und Distribution von Wasserstoff aus erneuerbarer Energie in Umsetzung. Dadurch können bereits jetzt Stadtbusse des öffentlichen Nahverkehrs und auch Kraftfahrzeuge des Individualverkehrs betankt werden. Ein weiteres Ziel ist die Aufstellung von Wasserstoff-Tankstellen entlang der Autobahn München-Modena.

diesen Artikel teilen