Das Projekt INTEGREEN

Welchen Beitrag können intelligente Transportsysteme zur Verringerung der Verkehrsemissionen leisten? Das Projekt INTEGREEN zeigt in Bozen, wie der Verkehr intelligenter werden kann.

Man steht an der Bushaltestelle und wüsste zu gerne, ob der verspätete Bus noch kommt oder ob es sich lohnt, zur Haltestelle der anderen Buslinie in der Parallelstraße zu gehen. Man sucht einen Parkplatz und erfährt erst unmittelbar an der Parkhaus-Einfahrt, dass das Parkhaus voll ist. Hätte man das vorher gewusst, hätte man gleich an der Messe parken und mit Bus oder Bahn ins Zentrum fahren können. Man steht stadtauswärts auf der Drususstraße im Stau und überlegt sich, ob die Eisackuferstraße vielleicht doch die schnellere Alternative gewesen wäre.

Egal mit welchem Verkehrsmittel man unterwegs ist, der Verkehr in der Landeshauptstadt Bozen bereitet immer wieder Schwierigkeiten. Und er hat einen negativen Einfluss auf die Luftqualität der Stadt. Um die Effizienz der innerstädtischen Fortbewegung zu verbessern, hat die Gemeinde Bozen deshalb in Zusammenarbeit mit der IDM und dem Austrian Institute of Technology das vom LIFE+ Programm der Europäischen Union finanzierte Projekt INTEGREEN („Integration of Traffic and Environmental data for improving Green Policies in the city of Bolzano“) durchgeführt. Übergeordnetes Ziel des Projekts ist die Verringerung der Umweltbelastung durch den Verkehr. Der Verkehr und die Luftqualität werden durch mobile Sonden – die zum Beispiel auf dem Dach eines Wasserstoff-Linienbusses angebracht wurden – und fixe Messstationen überwacht. Die gesammelten Daten werden für die Entwicklung innovativer Verkehrsregelungen und Dienstleistungen genutzt. Schließlich werden die heimischen Verkehrsteilnehmer mit Informationskampagnen für intelligente Mobilitätslösungen und Spritspar-Techniken sensibilisiert.

Drei konkrete experimentelle Anwendungen können bereits von allen Verkehrsteilnehmern in Bozen genutzt werden: die Anwendungen BZParking erteilt Informationen über aktuell verfügbare Parkplätze; die Anwendung BZBus informiert die Nutzer über die Dienste des lokalen Nahverkehrs der SASA; die Anwendung BZTraffic gibt Auskunft über das Verkehrsaufkommen in der Stadt.

Wie können diese experimentellen Anwendungen zu einer Verbesserung des Verkehrs beitragen? Der öffentliche Nahverkehr wird zu einer attraktiveren Alternative zum Auto, wenn man jederzeit Echtzeit-Informationen über den aktuellen Standort der Busse erhält und bei Verspätungen statt an der Haltestelle mit Zeitung und Macchiato in einer nahe gelegenen Bar auf den Bus warten kann. Parksuchverkehr wird vermieden, wenn die Autofahrer bereits frühzeitig wissen, in welchen Parkhäusern noch Plätze verfügbar sind und diese gezielt ansteuern. Der Verkehr läuft flüssiger und somit emissionsärmer, wenn die Autofahrer im Voraus wissen, wo mit Stau zu rechnen ist und diese Abschnitte meiden. Die drei Säulen der nachhaltigen Mobilität – Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung (auf umweltfreundliche Verkehrsmittel) und Verkehrsverbesserung (z.B. durch Emissionsminderung) – werden also mit den drei experimentellen INTEGREEN-Anwendungen angesprochen. Wenn möglichst viele Verkehrsteilnehmer mitmachen und die bereitgestellten Daten nutzen, sparen sie Zeit und Geld – und leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in Bozen.