Carsharing Südtirol

Umweltfreundliches Autofahren

Warum ein Auto besitzen, wenn man es nur ab und zu braucht? Carsharing überzeugt – und erobert immer mehr Südtiroler Städte und Dörfer.

In der „Generation Golf“ war es der größte Wunsch von Jugendlichen, endlich 18 zu werden, um den Führerschein in der Tasche und das eigene Auto in der Garage zu haben. Heutzutage würde niemand mehr auf die Idee kommen, eine ganze Generation nach einem Automodell zu benennen. Die Statussymbole der jüngeren Generationen haben nicht mehr unbedingt vier Räder und einen Auspuff, sondern eher einen mobilen Internetzugang und einen Touchscreen. Sie brauchen keine Garage und keinen Parkplatz, sondern passen in die Hosentasche.

Autos bleiben einen großen Teil der Zeit nur ungenutzt auf dem Parkplatz und belegen 10 Quadratmeter Fläche, die auf andere, sinnvollere Weise genutzt werden könnte. Doch ein dickes glänzendes Auto war und ist teilweise noch immer ein wichtiges Statussymbol. Und: Ganz auf Autos verzichten, fällt immer noch schwer. Zu sehr sind unsere Siedlungsgrößen, unsere Einzelhandelsstrukturen und unsere Aktionsräume in den vergangenen Jahrzehnten auf das Automobil ausgelegt worden. Aber muss man Autos zwingend besitzen, wenn man sie nicht jeden Tag braucht? Warum sollte man ein Auto nicht mit anderen teilen können, wie man das auch innerhalb von Familien macht?

Das ist die Idee, die hinter „Carsharing“ (Englisch für „Auto teilen“) steckt: ein einziges Auto für mehrere Personen, die es benutzen können, wenn sie es brauchen. Auch hierzulande gehören die weißen Autos mit dem grünen Logo von „Carsharing Südtirol Alto Adige“ mittlerweile in Gemeinden wie Mals, Meran, Bozen, Brixen oder Bruneck schon fast zum Ortsbild.  Wer sie bei Bedarf nutzen will, muss sich nur registrieren und jährlich eine Grundgebühr zahlen. Danach geht es denkbar unkompliziert weiter: Auto reservieren, abholen, losfahren, Auto zurückbringen. Am schnellsten geht die Buchung über die Flinkster-App oder über das Buchungsportal auf www.carsharing.bz.it.

Der Preis dafür? Nach den einmaligen Registrierungskosten ergeben sich die Ausleihgebühren aus der Summe von Stundenpreis und Kilometerpauschale. Für Nachtschwärmer gibt es besonders günstige Stundentarife; bei Buchungen ab dem zweiten Tag wird’s auch billiger. Abhängig ist der Preis klarerweise auch vom ausgeliehenen Autotyp: Je kleiner das Auto, desto kleiner der Preis. Am günstigsten ist deshalb der VW Up!, VW Golf und VW Caddy sind minimal teurer.

Generell gilt: bis zu einer Fahrleistung von 7.000 bis 10.000 Kilometern im Jahr ist die Nutzung von Carsharing billiger als der Besitz eines eigenen Autos, weil die damit verbundenen hohen Fixkosten fast vollständig wegfallen. Die Mitgliedschaft bei Carsharing kann also den Zweitwagen, in vielen Fällen sogar den Erstwagen ersetzen und somit viel Geld einsparen.

Besitzer eines Südtirol Pass profitieren bei Carsharing Südtirol Alto Adige gleich doppelt: Sie zahlen eine niedrigere Grundgebühr und brauchen keine weitere Carsharing-Magnetkarte, weil sich die Autos – nach vorheriger Reservierung – mit dem Südtirol Pass öffnen lassen. Der Autoschlüssel liegt dann im Handschuhfach. So einfach geht’s.

Carsharing macht nicht nur den Autonutzern das Leben leichter, die sich nicht mehr um Autokauf, Werkstattbesuche, Steuern und Versicherung kümmern müssen. Es ist auch umweltfreundlich. Denn Carsharing führt bei gleicher Fahrleistung zu einem sieben- bis neunmal geringeren Flächenbedarf als bei der Nutzung von Privatfahrtzeugen. Weniger Flächenverbrauch bedeutet mehr Lebensqualität und mehr Freiräume in den Südtiroler Städten und Gemeinden. Auch zeigen Untersuchungen, dass Carsharing-Nutzer häufiger den öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad nutzen und öfter zu Fuß gehen als Autobesitzer. Schließlich haben sie gelernt, sich vor jeder Fahrt zu überlegen, ob sie wirklich ein Auto brauchen oder ob sich die geplante Fahrt nicht günstiger, schneller, gesünder und umweltfreundlicher mit anderen Verkehrsmitteln erledigen lässt.

Carsharing Südtirol baut das Angebot sukzessive aus. Ständig kommen neue Orte und Fahrzeuge hinzu. Mittlerweile gibt es mit den ersten Elektroautos auch eine völlig emissionsfreie E-Carsharing Variante. Durch eine Kooperation mit den großen Anbietern DB Flinkster und Car2Go können Nutzer von Carsharing Südtirol mittlerweile auch außerhalb Südtirols auf Carsharing-Fahrzeuge zurückgreifen. Der spontane Bedarf nach einem fahrbaren Untersatz kann somit nicht nur in Brixen und Bruneck gedeckt werden, sondern auch in Berlin oder Wien.

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