Foto: Irene Fliri
Foto: Irene Fliri

Eine Testfahrt mit dem Tesla 70D

Elektromobilität

26.07.2016

Ich habe schon lange ein Auge auf die Marke Tesla geworfen. Das ist so eine Liebelei wie damals, als uns der Hasselhoff in „Knight Rider“ mit „Kitt“ die Zukunft der Automobile vor Augen führte. Und damals war mir schon nicht ganz klar, schwärme ich jetzt für den Hasselhoff oder für das Auto? Heute Zig Jahre später weiß ich wieder nicht, schwärme ich jetzt mehr für das Tesla Model S oder für Elon Musk, der die ganze Automobilbranche aufmischt.

Kürzlich war es möglich im Golfclub Eppan eine Testfahrt zu machen und das musste genutzt werden. Ich hatte einen Heidenrespekt vor diesem Wagen, zu Recht würde ich sagen. Das Auto ist etwas extrabreit für eine Frau mit „Einparkschwierigkeiten“ in den Tiefgaragen. Da machen ein paar Zentimeter mehr schon was aus. Ansonsten ein tolles Raumgefühl innen. Auf dem Rücksitz ist die Kopffreiheit für groß gewachsene Leute nicht ganz so groß. Außerdem fehlen Ablageflächen an den Türen oder Netze an der Sitzrückseite. Und als Mutter hat man dafür immer ein Auge und auch eine Notwendigkeit. Das ist aber auch schon alles, was ich zu bekritteln habe. Also vollkommen im tolerierbaren Bereich finde ich.

Nähert man sich mit dem Schlüssel (eine Minivariante des Telsa) entsperrt sich das Auto und es fahren die Türgriffe aus. Sitzt man erst mal ganz bequem auf dem Ledersitz, hat man rechts von sich einen 17“ Monitor, Knöpfe und Schalter fehlen. Alle Systeme werden über den Monitor bedient. Vom Radio (Spotify inklusive) bis zur Navigation (mit Google Maps verbunden) . Die einzelnen Funktionen einfach antippen und z.B. für das Öffnen des Dachfensters einfach nach unten wischen und das Fenster schiebt sich nach hinten. Im normalen Betrieb teilt sich der Monitor in zwei Hälften, eine Hälfte wird für die Rückfahrkamera genutzt die immer in Betrieb bleibt.

Dann kann es losgehen, den Fuß auf die Bremse gestellt, der Motor startet – hören und spüren kann man allerdings nichts - schon löst der Tesla die Handbremse (es gibt keinen Hebel zum händischen lösen), den Schalter auf D gestellt , die Fahrt kann losgehen. Es ist mehr so ein Losgleiten wie ich es vom Renault Twizy schon kannte, nur eben in der viel komfortableren Variante. Die Härte der Lenkung kann man selbst regulieren, ebenso die Lenkradhöhe, ansonsten zieht der Wagen los wie eine Eins. Man merkt von der Kraftübertragung her nicht, dass er fast 2 Tonnen wiegt. Auf der Mebo dann kann man den Autopilot einschalten und die Hände von der Lenkung nehmen. Der Wagen beschleunigt bis zur erlaubten Geschwindigkeit, hält den Abstand zum Vordermann und bremst auch selbständig. Auf Autobahnen also ein sehr entspanntes Dahingleiten. Nach einiger Zeit kommt allerdings ein Signal, wo das Auto verlangt, dass der Fahrer die Hände ans Lenkrad legt, zur Bestätigung für den Autopilot. Also müsse man dem Auto wie einem kleinen Kind sagen, „he du machst es gut, aber ich bin schon noch da und schlafe nicht und pass auch auf, was auf der Straße passiert “. Setzt man den Fuß auf die Bremse oder macht selbst eine Bewegung mit dem Lenkrad, dann ist der Autopilot wieder ausgeschaltet. Geht man vom Gaspedal dann rekuperiert der Motor und der Wagen verlangsamt sich bis er zum Stillstand kommt. Die Bremsen werden also bei vorausschauender Fahrweise viel mehr geschont als beim Verbrenner. Das heißt auch, dass der Wagen in der Stadt den niedrigeren Energieverbrauch hat als bei langen Fahrten.

Das Anhalten und Motor ausschalten ist wieder gewöhnungsbedürftig. Man bremst bis der Wagen hält, die Handbremse wird automatisch angezogen – es erscheint ein kleines H am Display. Wie und das soll alles sein? Mir ist das noch suspekt. Außerdem läuft der Motor jetzt noch oder doch nicht? Schließlich hört man nichts. Und siehe da, er läuft noch und zwar so lange bis man die Tür öffnet. Jetzt erscheint das Symbol für den ausgeschalteten Motor.

Aber kann ich mir da sicher sein? Man muss schon ein bestimmtes Vertrauen in die Technik entwickeln, schließlich habe ich hier nur mehr Symbole. Ich kann keine Handbremse nachziehen, wenn der Wagen am Berg schräg steht. Da ist mir der Fiat 132 in Erinnerung, wo die Handbremse nie im Stande war den Wagen vollständig zu halten. Und das Motorengeräusch gibt es auch nicht. Für kindliche Fußgänger eine neue Gefahr – schließlich verlassen die sich sehr oft mehr auf die Ohren als auf die Augen. Als Fahrer sollte man die Geräuschlosigkeit des Wagens immer im Hinterkopf haben, denn den Reifenabrieb auf der Straße hört man erst, wenn der Wagen schon sehr nahe ist.

Der Telsa hat Mennekes Typ 2 Ladekabel, ist also hier an jeder öffentlichen Ladesäule aufladbar.
Zu Hause wird er an der Steckdose geladen, wobei ich im Autor regeln kann wie viel Strom er gerade maximal ziehen soll. Für lange Fahrten gibt es in regelmäßigen Abständen die Supercharger, wobei das Auto dort in 20 Minuten zu 80 % geladen ist. Außerdem tanke ich dort den Strom gratis, für lange Geschäftsfahren oder Urlaubsreisen kostet also der Energieverbrauch nichts.

Fazit: Ich hab mich in das Auto verliebt. Der Einstandspreis ist allerdings zu hoch. Rechnet man genau nach würde sich eine Finanzierung schon lohnen für jemanden, der viele lange Fahrten unternehmen muss, was bei mir aber nicht der Fall ist.

Also „happy kilowatt“ bis zum nächsten Mal.

Eure Irene

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